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Blogbeitrag

RECOSiC: Wie recyceltes Siliciumcarbid zum Hightech-Rohstoff wird

Lesezeit: 4 Minute(n)
Datum: 2. Februar 2026
Halbleiter

Die Schunk Group setzt neue Maßstäbe für nachhaltige Materialien – mit einer Weltpremiere in NRW

Siliciumcarbid (SiC) spielt eine zentrale Rolle in vielen Hochtechnologiebranchen – etwa in der Halbleiterindustrie, in Solaranlagen oder in der technischen Keramik. Der extrem harte und temperaturbeständige Werkstoff gilt als unverzichtbar für Anwendungen, bei denen höchste Materialanforderungen gefragt sind. 

Die Kehrseite: Die herkömmliche Herstellung von SiC ist sehr energieintensiv – und belastet das Klima erheblich. Bis zu 4,2 Tonnen CO₂ entstehen pro produzierter Tonne SiC, verursacht durch chemische Reaktionen und den dafür benötigten Strom. In einem globalen Markt, der zunehmend auf Nachhaltigkeit und Rohstoffeffizienz achtet, ist das ein wachsendes Problem. 

Genau hier setzt das RECOSiC-Verfahren an: Entwickelt von der ESK-SIC GmbH, einem Unternehmen der Schunk Group, in Kooperation mit dem Fraunhofer IKTS, ermöglicht es erstmals die stoffliche Rückführung von SiC-Reststoffen zu hochwertigem Rohmaterial – mit einer signifikant besseren CO₂-Bilanz und ganz im Sinne der industriellen Kreislaufwirtschaft. 

Die Schunk Group setzt neue Maßstäbe für nachhaltige Materialien – mit einer Weltpremiere in NRW

Europas erste SiC-Kreislauffabrik entsteht in Frechen

Am Standort Frechen bei Köln entsteht derzeit ein Projekt mit internationaler Strahlkraft: Die weltweit erste Siliciumcarbid-Fabrik, die vollständig nach den Prinzipien der Circular Economy arbeitet. Möglich wird das durch die Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union – insgesamt 30 Millionen Euro aus dem Just Transition Fund (JTF) fließen in den Aufbau. 

Ziel ist es, dort künftig bis zu 6.000 Tonnen recyceltes Roh-SiC pro Jahr herzustellen – energieeffizient, ressourcenschonend und auf höchstem Qualitätsniveau. Ein wegweisender Schritt hin zu einer nachhaltigen, unabhängigen Rohstoffversorgung in Europa. 

Das Problem: CO₂-intensive SiC-Produktion

Siliciumcarbid wird seit über 100 Jahren nach dem sogenannten Acheson-Verfahren hergestellt. Dieses Verfahren benötigt rund 7,15 MWh elektrische Energie pro produzierter Tonne SiC – etwa so viel, wie ein durchschnittlicher Haushalt in zwei Jahren verbraucht. Neben dem hohen Energieeinsatz entstehen dabei auch erhebliche CO₂-Emissionen: im Schnitt rund 4,2 Tonnen CO₂ pro Tonne SiC, teils reaktionsbedingt, teils durch die Stromerzeugung. 

In Regionen mit einem höheren Anteil fossiler Energiequellen fällt diese Klimabilanz sogar noch ungünstiger aus. Die konventionelle SiC-Produktion steht damit zunehmend im Widerspruch zu den Zielen moderner Industriepolitik. 

Die Lösung: Stoffliches Recycling mit RECOSiC

Mit dem patentierten RECOSiC-Verfahren geht die Schunk Group einen neuen Weg. Dabei werden Reststoffe und Nebenprodukte, die bei der SiC-Produktion, Pulveraufbereitung und Weiterverarbeitung entstehen, zu hochreinem Siliciumcarbid (über 98 % Reinheit) umgewandelt. 

Der Prozess basiert auf einem thermochemischen Recyclingansatz, der gezielt auf die Eigenschaften dieser Sekundärrohstoffe abgestimmt ist. Nach der Umwandlung wird das Material in die bestehenden Produktionsprozesse überführt – ganz ohne Qualitätsverlust. Im Gegenteil: Die Materialkennwerte des recycelten SiC sind vergleichbar oder sogar besser als bei herkömmlichen Primärprodukten. 

© Fraunhofer IKTS, 2023

CO₂ sparen, Rohstoffe schonen – industriell skalierbar

Die Vorteile des RECOSiC-Verfahrens lassen sich klar beziffern: 

  • Weniger als 1 Tonne CO₂ pro recycelter Tonne SiC 
  • Nahezu vollständiger Verzicht auf Primärrohstoffe 
  • Hohe Kompatibilität mit bestehenden industriellen Prozessen 
  • Skalierbarkeit auf mehrere tausend Tonnen pro Jahr 

Damit wird RECOSiC zu einem zukunftsfähigen Baustein für die Dekarbonisierung energieintensiver Materialien, zur Stärkung regionaler Rohstoffkreisläufe und zur Reduktion von Importabhängigkeiten

Zitate aus dem Projekt

Matthias Hausmann, Geschäftsführer der ESK-SIC GmbH, betont: 

„Die Förderung unseres innovativen RECOSiC-Verfahrens zeigt: Bei guten technologischen Entwicklungen funktioniert das gemeinsame Gestalten von Wirtschaft und Politik. Und zwar äußerst kooperativ und verlässlich! Dank dieser Unterstützung können wir unser zukunftsweisendes RECOSiC-Verfahren jetzt im industriellen Maßstab realisieren.“ 

Auch Dr. Lars Schnetter, Leiter der Business Unit Technical Ceramics der Schunk Group, unterstreicht: 

„Ich danke im Namen der Schunk Group dem Wirtschaftsministerium für das entgegengebrachte Vertrauen. Die tatkräftige, unkomplizierte und schnelle Unterstützung seitens Politik und Behörden sind ein echter Standortvorteil in NRW – nicht nur für Schunk. Daher werden wir auch weiter in die Zukunft unserer NRW-Standorte investieren.“ 

Fazit: Ein Leuchtturmprojekt für nachhaltige Werkstofftechnologie

Mit RECOSiC zeigt die Schunk Group gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft ESK-SIC GmbH, wie sich klimarelevante Prozesse in der Werkstoffindustrie grundlegend neu denken lassen – technologisch fundiert, wirtschaftlich tragfähig und ökologisch notwendig. 

Die entstehende Recyclingfabrik in Frechen ist dabei mehr als ein Pilotprojekt: Sie ist ein Modell für den industriellen Wandel hin zu echter Kreislaufwirtschaft bei Hochleistungsmaterialien – made in NRW. 

Jetzt Kontakt aufnehmen

Sie möchten mehr über das RECOSiC-Verfahren, mögliche Anwendungen oder Kooperationsmöglichkeiten erfahren? 
Dann sprechen Sie uns gerne an – die Expert:innen der ESK-SIC GmbH, einem Unternehmen der Schunk Group, stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung. 

Entdecken Sie jetzt unsere technischen Broschüren mit weiterführenden Informationen zu Siliciumcarbid, keramischen Hochleistungswerkstoffen und dem IntrinSiC® 3D-Druck in der Mediathek.

Weitere Informationen: 
Lesen Sie auch die offizielle Pressemitteilung zur Förderung auf der Website der Schunk Group. 

 

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